Die Liste seiner Titel und Abschlüsse ist lang. Prof. Dr. Herbert Rehmer, Inhaber von drei medical fitness-Studios in Holzkirchen, Gmund und Bad Tölz, ist nicht nur Dr. der Humanbiologie, Master of Arts in Personalentwicklung und systemischer Beratung sowie Diplom-Kaufmann und Fitnessfachwirt – er ist zudem Professor an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement. Dass man mit einem derartigen Wissenshintergrund ein Fachmann auf der Trainingsfläche ist, steht außer Frage. Doch Prof. Dr. Rehmer ist auch ein erfolgreicher Geschäftsmann mit einem klaren Konzept und Zielen. Wie diese aussehen, hat er der medical fitness & healthcare in einem Interview erklärt.

 

mfhc: Was unterscheidet Ihr Unternehmenskonzept von konventionellen Fitness-Studios?

Prof. Dr. Rehmer: Ganz einfach: Unsere Ausrichtung auf „ganzheitliche Gesundheit“ und die Ergänzung des Leistungskonzeptes mit „psychischen Training“ z. B. Mentales Training (Selbstmanagement), Achtsamkeitstraining und Gesundheitscoaching (Hilfe zur Selbsthilfe, aktive Selbstführung, persönliches Wachstum).

In diesem Bereich des Coachings geht es um Gesundheitsprogramme zur Verbesserung der körperlichen Funktions- und Leistungsfähigkeit sowie im psychischen Bereich bei Erschöpfung, Stress und Burnout, Bewältigung kritischer Lebensereignisse, schwachem Selbstbewusstsein und bei Motivationsmangel zur Umsetzung eigener Ziele. Gesundheitscoaching sieht den Menschen als Ganzes, nicht nur in seiner Körperlichkeit, sondern vor allem auch in seinen Gedanken und Gefühlsmustern, Einstellungen und Lebenshaltungen. Diese können oftmals hilfreich sein, aber auch Probleme verursachen. Genau hier versucht das Gesundheitscoaching anzusetzen, um den Menschen nicht nur körperlich fit zu halten, sondern auch mentale und emotionale Ressourcen und Potenziale zu erkennen und weiterzuentwickeln. Dies ist die Basis zu einem ausgeglichenen und gesunden Lebensstil und einem selbstbestimmten Leben.

 

Welche Zielgruppen sprechen Sie mit Ihrem Konzept an?

Unsere Kunden wollen vornehmlich eine ästhetisch Figur, Leistungsfähigkeit und Fitness, Gesundheit  sowie Vitalität im Alter.

Sie bieten drei verschiedene Betreuungspakete zu unterschiedlichen Konditionen an. Können Sie Ihre Intention für die Einführung dieser Pakete beschreiben?

Unsere Intention war, dass der Kunde nur das kaufen kann, was er möchte bzw. was wir als Berater für ihn als sinnhaft empfinden. Das heisst, wenn jemand in der Lage ist, selbständig und selbstverantwortlich zu trainieren, soll er auch die Möglichkeit bekommen, ohne dass er Betreuungsgebühren bezahlen muss. Er zahlt also nur eine „Benutzungsgebühr“ für die Gerätschaften. Der Kunde hat außerdem die Auswahl, Pakete mit oder ohne Sauna, Gruppenfitness, Fitness an Geräten etc. abzuschließen.

 

Welchen Stellenwert nehmen Fitnesstraining, Präventionstraining und Reha-Sport bei Ihnen ein?

Wir haben aktuell einen Anteil von ca. 15 % im Reha-Sport und etwa 5 % beim Präventionstraining. Wir gehen aber davon aus, dass sowohl im Reha-Sport als auch beim Präventionstraining diese Prozentsätze in Zukunft steigen werden, obwohl sich in unserer täglichen Arbeit die Anhebung der Ausgabenrichtwerte für Präventionsmaßnahmen durch die Novellierung des Präventionsgesetzes im letzten Jahr noch nicht bemerkbar gemacht hat.

Wie schätzen Sie den deutschen Fitnessmarkt generell ein – wo sehen Sie ihn heute und wo in 10 oder gar 20 Jahren?

Der Fitnessmarkt ist weiterhin ein Wachstumsmarkt – aber auch ein Verdrängungsmarkt. Die Ausrichtung der Angebote wird sich für bestimmte Zielgruppen spezialisieren. Dabei kommt der Digitalisierung eine wachsende Bedeutung zu; zum einen für die Kunden als Motivationsfaktor und für die Mitarbeiter- und Teamsteuerung via Groupware. Es wird nicht nur zur Marktentwicklung (bis zu 15 % der Bevölkerung) kommen, sondern vor allem zu einer erweiterten Produktentwicklung und eventuell auch zu einer Diversivikation vor allem in Angeboten für gesundheitliche Aspekte. Hier könnte sich ein Wandel im Sinne der Gesundheitsmodelle mit pathogenetischer Ausrichtung hin zu salutogenetischen Modellen vollziehen. Beispiele hierfür sind Interventionen mit bio-psycho-sozialer Ausrichtung. 

Zu der Frage „Wie kann Krankheit verhindert werden?“ (Prävention) kommen auch die Fragen „Wie entsteht Gesundheit?“ (Salutogenesemodell), „Was hält den Menschen widerstandsfähig?“ (Resilienz-Modell), „Wie fördere ich Gesundheit und Lebensqualität?“ (positive Psychologie). 

Es geht also um integrative oder ganzheitliche „systemische“ Modelle, wie Gesundheit auch von der WHO definiert wird: das bio-psycho-soziale Gesundheitsmodell definiert als „positiver funktioneller Gesamtzustand im Sinne eines dynamischen, biopsychologischen und sozialen Gleichgewichtszustandes, der erhalten bzw. immer wieder hergestellt werden muss.“ 

Es geht daher nicht nur darum, Risikofaktoren zu verhindern, sondern auch darum, „Schutzfaktoren“ aufzubauen und zwar in körperlicher, psychischer, sozialer und umweltbezogener Sicht. Ob und wann der Markt „reif“ ist für z. B. „mentales Training“ hängt natürlich von den politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen ab.

Weiterhin bin ich der Meinung, dass das Produkt Fitness und Gesundheit von weiteren Marktteilnehmern wie Ärzten, Therapeuten, Psychologen und eventuell sogar von Sozialpädagogen angeboten werden wird. 

Generell, um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen, wird sich der Markt positiv entwickeln, weiter spezialisieren und dabei wachsen. 

www.rehmerfitness.de