In gängigen Arztpraxen gibt es unterschiedliche Methoden und Verfahren, um sich ein umfassendes Bild des Gesundheitszustandes eines Patienten zu machen.
Neben großem und kleinem Blutbild werden bei einem Gesundheitscheck mitunter auch Parameter wie Gefäßelastizität, Lungenfunktion, Knochendichte oder auch die Herztätigkeit mittels EKG und Belastungs-EKG gemessen. Selbst mit diesen Methoden können nicht immer direkt Rückschluss auf eine bestimmte Erkrankung geführt, sondern lediglich weitere Schritte eingeleitet werden, um eine eindeutige Diagnose zu stellen. So können beispielsweise unterschiedliche Faktoren zu erhöhten Blutstoffwerten, wie Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht, Diabetes mellitus oder einer Schilddrüsenunterfunktion führen.
Die mit einem Gesundheitscheck einhergehenden Analyseverfahren sind sehr zeitaufwendig und teuer. Und als erster Schritt für viele Patienten kein großer Anreiz, sich diesem regelmäßig zu unterziehen.
Körperanalyse zur Unterstützung
Mittlerweile existieren auf dem Markt weitere, qualitativ sehr hochwertige Messverfahren, die ansatzweise eine Gesundheitsbewertung zulassen und die Körperzusammensetzung bestimmen (vgl. Segal KR et al., Abteilung für pädiatrische Kardiologie, Mount Sinai School of Medicine, New York, NY 10029) und sogar außerhalb einer Arztpraxis angewendet werden können.
So kann die acht-polare Bioelektrische Impedanzanalyse bei korrekter Durchführung und geschultem Personal eine ökonomische Alternative zu einer beispielsweise aufwendigen Blutuntersuchung sein. Je nach Hersteller handelt es sich bei diesem Messverfahren um ein Gerät, auf dem die zu messende Person steht und je einen Griff in jeder Hand hält. Insgesamt werden nun über acht Pole, welche sich über Kontaktstellen an Händen und Füßen befinden, der Widerstand von Armen, Rumpf und Beinen in Frequenzen von 5, 50, 100, 250 und 500 KHz gemessen. Nach Beendigung des Messvorgangs, welcher 30 bis 40 Sekunden dauert, wird das Ergebnis durch einen detaillierten Analysebogen dargestellt.
Unter anderem werden folgende Messwerte ermittelt:
• Körpergewicht,
• Wasser (intrazellular, extrazellular),
• Proteine,
• Mineralien (Körper & Knochen),
• Körperfettmasse und fettfreie Masse,
• Muskelmasse (Körper und Skelett),
• Body Mass Index (BMI),
• Symmetrie und Segmentierung der Muskel- und Fettanteile und
• Gesundheitsbewertung mit Angabe von Punkten (ein Index, der alle Messwerte zu einem Gesundheitsindex zusammenfasst).
Aus den gemessenen Werten kann ein Fazit gezogen werden, ob weitere Tests wie ein Blutbild, eine Knochendichtemessung oder ein Belastungs-EKG erforderlich sind. Entscheidend für die Gesundheitsbewertung eines Menschen ist nicht ausschließlich ein einziger Messwert wie der BMI, an dem sich einst orientiert wurde. Möglichweise entsteht ein sehr hohes Gewicht durch einen überdurchschnittlichen Muskelanteil, der keinesfalls mit einem erhöhten Fettgehalt zu vergleichen ist.
Ein weiterer entscheidender Messwert, der mittels des Körperanalysegerätes ausgewertet werden kann, ist das Verhältnis zwischen Lende und Hüfte.
Dass der Bauchumfang entscheidend ist, haben Forscher schon vor einigen Jahren herausgefunden. Wenn sich also die meisten Kilos in der Leibesmitte befinden, sind diese Menschen einem höheren Risiko ausgesetzt als diejenigen mit umfangreichen Oberschenkeln oder großem Gesäß. Der Taillenumfang kann also eine wesentlich genauere Definition des Gesundheitszustandes oder des potentiellen Risikos vornehmen.
Des Weiteren ist die Detailanalyse zwischen linker und rechter Körperhälfte ein wichtiger Faktor, der in standardisierten Messmethoden nicht berücksichtigt wird. Um schwere Störungen der Bewegung oder einer ausgeprägten Fehlhaltung entgegenzuwirken, muss dies erkannt und der Ursache auf den Grund gegangen werden.
Bei Personen mit auffallend großem Unterschied des Knochengewichts zum Normbereich wird darauf folgend die Messung der Knochendichte empfohlen, um Osteoporose auszuschließen oder weitere Handlungsempfehlung, wie kalziumreiche Ernährung oder Bewegung, auszusprechen.
Vorteile der „Gesundheitsbewertung“
Ein Körperanalysegerät ist demzufolge für eine Arztpraxis eine einfache und zeitsparende Maßnahme, um den Arzt bei einem Gesundheitscheck zu unterstützen. Die Durchführung kann durch geschultes Personal übernommen werden, die Beratung sollte anschließend über den behandelnden Arzt erfolgen. Nach einer Messung auf einem Körperanalysegerät kann dieser genau festlegen, welche weiteren Methoden angewendet werden sollen, wenn diese erforderlich sind.
Speziell übergewichtige Patienten, mit dem Wunsch, ihr Körpergewicht zu reduzieren, können durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen an eine Praxis gebunden werden. Neben dem Verlust des Körperfetts, stellt die Gesundheitsbewertung eines solchen Analyseverfahrens eine große Motivation dar.
Genannte Messparameter werden zu einer Gesamtbewertung des Gesundheitszustandes zusammengefasst und in Punkten separat auf dem Analysebogen sichtbar dargestellt. So führt also nicht ausschließlich der Verlust des Fettgehaltes zu einer besseren Bewertung, ebenfalls die gesunde Kontrolle des Wasserhaushaltes oder die Verbesserung der Skelettmuskulatur ändern die Punktzahl des gemessenen Patienten. Die Beratung des Arztes muss also nicht ausschließlich auf den Fettgehalt bezogen werden, sondern kann eine ganzheitliche Betrachtung des Patienten einschließen, wodurch ein höherer Anreiz entsteht.
Die Beratung zur Bestimmung des Körperfettgehaltes, des Wasserhaushaltes und der muskulären Verteilung werden als IGeL privat über die GOÄ liquidiert. Eine ausgesonderte Leistungsposition zur Ermittlung des Fettgehaltes oder der anderer Messwerte ist nicht ausgewiesen. Diese Untersuchungen werden als Analogberechungen abgerechnet, unter Nr. 831 der GOÄ, bei entsprechenden Waagensystemen, bei BIO-Impedanz-Analysen nach Nr. 651 GOÄ.
Diese Analysemethoden sind keineswegs Modeerscheinungen, die erst seit kurzer Zeit im Einsatz sind. Durch Studien, die Vergleichsuntersuchungen verschiedenster Messverfahren durchgeführt haben, konnte belegt werden, dass die Bioelektrische Impedanzanalyse zur Adipositasschätzung sehr gut geeignet ist (vgl. Houtkooper LB et al., Department of Nutritional Sciences, University of Arizona, Tucson 85721 - 0033, USA).